Zwischen Lachen und Weinen: Regina Schmidt-Kühner über den Ausgang der Landtagswahl

Veröffentlicht am 06.04.2011 in Wahlen

Es war ein Krimi bis zuletzt: Lange war am 27. März unklar, ob die Stimmen für beide Karlsruher SPD-Kandidaten reichen würden, um in den Landtag einzuziehen. Während Johannes Stober aus dem Karlsruher Osten recht schnell aufatmen konnte, kam es für die Vorsitzende des Ortsvereins Weststadt/Nordstadt und Landtagskandidatin für Karlsruhe West, Regina Schmidt-Kühner, auf jede einzelne Stimme an. Und doch musste sie am Ende dem Ettlinger Genossen Frank Mentrup den Vortritt lassen - wegen zwei fehlender Stimmen. Nach der nervlichen Zerreißprobe und der enttäuschenden Niederlage spricht Regina über Ihre Gefühlslage, wie sie die Wahl erlebt hat und was sie sich für die Zukunft in Baden-Württemberg wünscht.




Die Landtagswahl ist vorbei und sie ist für Dich mit fehlenden zwei Stimmen sehr dramatisch ausgegangen. Wie hast Du die Wahl erlebt?
Zwischen Lachen und Weinen, Freude und Trauer. Die Freude über den Wechsel in Baden-Württemberg ist natürlich sehr groß. Andererseits empfinde ich es als sehr schade, nicht in den Landtag eingezogen zu sein. Ich hätte diese Aufgabe sehr gerne übernommen. Aber so ist es eben.


Wie geht man damit um, wenn man sich einerseits über den Wechsel freut, andererseits eine solche Niederlage hinnehmen muss?
Ich habe versucht, die Sache sehr nüchtern zu betrachten. Das entspricht auch eher meiner Art. Zwei Stimmen, die entscheiden, das ist natürlich bitter. Ich habe mich zunächst einmal gar nicht richtig freuen können. Das war eine Sache von zwei, drei Tagen, dass ich das so richtig akzeptieren konnte. Aber jetzt denke ich, das ist auch in Ordnung. Ich mache dann eben an anderer Stelle weiter


Wie geht es jetzt politisch für Dich weiter?
Ich bin stellvertretende Bundesvorsitzende der Naturfreunde. Dort wird mein Schwerpunkt sein. Daneben engagiere ich mich in der AfA. Ich werde mich mehr auf das Thema "Gute Arbeit" konzentrieren. Wie es genau sein wird, dazu brauche ich noch ein bisschen Zeit, um darüber nachzudenken.


Was glaubst Du, wird jetzt wichtig sein für die kommende Landesregierung - vor allem im Hinblick auf die Sozialdemokraten?
Es wird wichtig sein, dass wir als SPD in dieser Landesregierung an Profil gewinnen, dass die Themen der Landesregierung mit der SPD verbunden werden. Ich denke da zum Beispiel an viele Fragen in der Sozial- und Bildungspolitik, wo wir sozialdemokratisches Profil zeigen können.


Was kann die SPD tun, um die Menschen von sich zu überzeugen?
Eine sachorientierte, gut vermittelbare Politik machen. Wir müssen erzählen, was wir tun und die Menschen mitnehmen. Das, was wir im Wahlkampf durch viele Dialoge versucht haben, müssen wir jetzt auch im täglichen Handeln als Landesregierung weiterführen, also die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aufnehmen und ernst nehmen. Wichtig sind auch klare Botschaften zu unseren Zielen.


Wie wird der Umgang zwischen SPD und Grünen in den nächsten fünf Jahren sein? Werden sich da vielleicht Gräben auftun oder werden die Grünen einen Realitätsschock erleiden, der zu Problemen in der Koalition führen könnte?
Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht einschätzen. Da lasse ich mich auf keine Spekulationen ein. Wichtig ist erst einmal, dass sich die beiden Partner darauf einigen, einen guten Koalitionsvertrag zu machen, wo sie auch um die Konflikte wissen. Nur dann kann man mit Konflikten umgehen, wenn man sie kennt. Und dann kann man sie auch lösen. Wenn man sie zukleistert und sie dann im Alltag hochkommen, ist das viel gefährlicher. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.


Findest Du die Popularität, die die Grünen gerade genießen, gerechtfertigt, wenn man die Jahre und Jahrzehnte betrachtet, in denen die SPD für ganz ähnliche Themen gekämpft hat?
Das finde ich als Sozialdemokratin schon etwas ungerecht. Wir waren über viele Jahre hinweg für den Ausstieg aus der Kernenergie. Für uns ist das keine neue Erkenntnis, die da jetzt gekommen ist. Und die Grünen fahren das alles ein - das ist natürlich ärgerlich. Aber es ist eben so, dass manche Themen mit den Grünen anders verbunden werden als mit den Sozialdemokraten. Wir müssen sehen, dass wir Themen nach vorne bringen, mit denen man uns verbindet und wo wir zeigen, was wir da leisten und für die Menschen erreichen, nämlich die soziale Gerechtigkeit.


Wie hast Du den Wahlkampf im Stadtteil Deines Ortsvereins - der Weststadt und der Nordstadt - erlebt?
Die Resonanz war ausgesprochen positiv. Es war unheimlich freundlich an den Infoständen. Es gab ganz viele, die gesagt haben: "Wir schaffen es diesmal!" Der Wunsch nach dem Wechsel war deutlich spürbar.


Wird das Wahlergebnis einen Einfluss auf das Engagement hier im Ortsverein Weststadt/Nordstadt haben? Willst Du etwas verändern im Ortsverein?
Ich denke, dass wir im Ortsverein sehr genau überlegen müssen, wie wir die sozialdemokratischen Themen durch mehr Möglichkeiten zur Teilhabe besser vermitteln können. Wir sind ja auch schon in der Vergangenheit außerhalb von Wahlkämpfen am Gutenbergplatz gewesen, um zu sehen, welche Themen die Menschen bewegen. Wir müssen uns überlegen, wie wir diesen Ansatz noch verbessern können. Wir wählen ja demnächst unseren Vorstand neu und werden danach im Team entscheiden, wie wir genau weitermachen wollen.


Wäre für Dich eine neue Kandidatur um ein Landtagsmandat in fünf Jahren denkbar?
Ich finde das schwer vorstellbar. Ich werde dann 60 sein und ich glaube, dass man das dann nicht mehr unbedingt machen muss.


Gibt es einen Ratschlag oder einen Zukunftswunsch, den Du den Genossen in Stuttgart auf den Weg mitgeben willst?
Nachvollziehbare Politik machen, für die Partei und für die Menschen nachvollziehbar. Dass ist das entscheidende.
 

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